Home Bias: Wie viel Schweiz gehört ins ETF-Depot?
Home Bias erklärt: Warum viele Schweizer zu viel Schweiz im Depot haben, welche Risiken das birgt und wie eine ausgewogene Heimat-Quote aussehen kann.
Frag zehn Schweizer Anleger, was im Depot ist. Bei vielen hörst du: Nestlé, Roche, Novartis, dazu vielleicht ein SMI-ETF und UBS-Aktien vom Arbeitgeber. Sehr schweizerisch. Vielleicht zu schweizerisch.
Dieses Muster hat einen Namen: Home Bias – die Tendenz, überproportional im eigenen Land zu investieren. Es fühlt sich vertraut und sicher an. Sicher ist es aber nicht unbedingt.
Wie gross ist die Schweiz wirklich?
Die Schweiz ist wirtschaftlich stark, aber im globalen Massstab klein. Am weltweiten Aktienmarkt macht sie je nach Index nur rund 2,5 bis 3 Prozent aus. Ein global diversifiziertes Depot hätte also von Natur aus nur etwa diesen Anteil Schweiz.
Viele Schweizer Depots haben aber 30, 50, manchmal über 70 Prozent Schweiz. Das ist ein Vielfaches dessen, was die Schweiz am Weltmarkt darstellt.
Warum zu viel Heimat riskant ist
1. Klumpenrisiko in wenigen Konzernen. Der Schweizer Markt ist extrem konzentriert. Nestlé, Roche und Novartis machen zusammen einen sehr grossen Teil des SMI aus. Schwächeln diese drei, schwächelt dein halbes Depot.
2. Doppeltes Risiko mit dem Arbeitgeber. Wer bei einer Schweizer Firma arbeitet, hat sein Einkommen schon an die Schweizer Wirtschaft gekoppelt. Steckt das Vermögen auch noch dort, hängt beides am gleichen Tropf.
3. Verpasste Diversifikation. Technologie, Schwellenländer, ganze Branchen sind im Schweizer Markt kaum vertreten. Wer nur Schweiz hält, lässt einen grossen Teil der Weltwirtschaft links liegen.
"Aber die Schweiz ist doch stabil"
Stimmt – starke Währung, solide Unternehmen, politische Stabilität. Das spricht dafür, einen gewissen Heimatanteil zu halten, etwas mehr als die rein rechnerischen 3 Prozent. Aber "stabil" heisst nicht "krisensicher" und schon gar nicht "ausreichend diversifiziert". Auch stabile Märkte können jahrelang seitwärts laufen, während die Welt weiterwächst.
Wie viel Schweiz ist sinnvoll?
Es gibt keine allgemeingültige Zahl, aber eine verbreitete Logik unter Schweizer Privatanlegern: ein Welt-ETF als Basis und optional ein moderater Schweiz-Zuschlag, etwa über einen SPI- oder SMI-ETF.
| Profil | Mögliche Aufteilung |
|---|---|
| Maximal global | 100% Welt-ETF (Schweiz darin automatisch ~3%) |
| Leichter Heimat-Tilt | 85% Welt-ETF + 15% Schweiz-ETF |
| Spürbarer Heimatanteil | 70% Welt-ETF + 30% Schweiz-ETF |
Mehr als rund ein Drittel Schweiz ist für die meisten schwer mit Diversifikation zu begründen. Wichtiger als die exakte Zahl: Sei dir bewusst, wie viel Heimat du hältst – inklusive Arbeitgeber-Aktien, Pensionskasse und Säule 3a, die oft ebenfalls schweizerlastig sind.
Der versteckte Home Bias
Viele unterschätzen, wie schweizerisch sie schon aufgestellt sind, bevor sie überhaupt einen ETF kaufen:
- Pensionskasse: investiert oft stark in Schweizer Anlagen und Immobilien.
- Säule 3a: je nach Anbieter ebenfalls mit hohem Schweiz-Anteil. Anbieter wie VIAC erlauben dir, die Aktienquote und den Welt-Anteil deiner 3a selbst zu steuern – ein Hebel gegen versteckten Home Bias.
- Eigenheim: ein Schweizer Immobilien-Klumpen.
- Arbeitgeber-Aktien: direktes Schweiz-Risiko zusätzlich zum Lohn.
Rechne das mit, bevor du im freien Depot noch mehr Schweiz dazulegst. Oft ist die echte Heimatquote längst höher als gedacht.
Den global diversifizierten Teil deckst du im freien Vermögen am einfachsten mit einem Welt-ETF ab – etwa automatisiert über findependent oder selbst gesteuert über einen günstigen Broker wie Saxo.
Der Kern
Ein bisschen Heimat im Depot ist okay und nachvollziehbar. Aber dein Vermögen sollte breiter aufgestellt sein als dein Wohnort. Schau dir deine echte Schweiz-Quote über alle Töpfe an – nicht nur im Wertschriftendepot.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und ist keine Anlageberatung im Sinne des FIDLEG. Deine Vermögensaufteilung entscheidest du in eigener Verantwortung. Einige Links sind Empfehlungslinks: Nutzt du sie, kann das für dich und mich einen Vorteil bringen. Das kostet dich nichts und beeinflusst die Inhalte nicht. Mehr unter Profitieren.