← Alle Beiträge Investieren

Portfolio-Rebalancing: Wann und wie du dein ETF-Depot anpasst

Rebalancing einfach erklärt: Warum dein ETF-Depot mit der Zeit aus der Balance gerät, wann sich Anpassen lohnt und wie du es in der Schweiz steuergünstig machst.

· 7 Min. Lesezeit
Beitragsbild Portfolio-Rebalancing: Wann und wie du dein ETF-Depot anpasst

Du hast dein ETF-Depot aufgesetzt: 70% Aktien-ETF, 30% Anleihen-ETF. Sauber geplant. Drei Jahre später schaust du rein – und plötzlich sind es 82% Aktien und 18% Anleihen. Was ist passiert?

Nichts Schlimmes. Die Aktien sind stärker gestiegen als die Anleihen, also haben sie ein grösseres Gewicht bekommen. Genau dafür gibt es Rebalancing: dein Depot zurück auf die geplante Aufteilung bringen.


Warum dein Depot aus der Balance gerät

Jede Anlageklasse entwickelt sich anders. Aktien schwanken stark, Anleihen ruhiger. Über Monate und Jahre verschiebt sich dadurch die ursprüngliche Gewichtung von selbst.

Ein Beispiel mit CHF 20'000 Startkapital, Ziel 60% Aktien / 40% Anleihen:

ZeitpunktAktienAnleihenIst-Aufteilung
Start12'000 CHF8'000 CHF60 / 40
Nach 2 Jahren Bullenmarkt17'500 CHF8'400 CHF68 / 32

Aus deinem ausgewogenen Depot ist ein deutlich risikoreicheres geworden – ohne dass du etwas getan hast. Wenn jetzt ein Crash kommt, trifft er dich härter als geplant.


Was Rebalancing konkret macht

Rebalancing heisst: Du verkaufst einen Teil von dem, was gut gelaufen ist, und kaufst von dem, was zurückgeblieben ist. Damit stellst du die Ziel-Aufteilung wieder her.

Klingt unlogisch – "Gewinner verkaufen, Verlierer kaufen"? Ist es aber nicht. Du verkaufst teuer und kaufst günstig ein. Das ist antizyklisches Verhalten, und genau das diszipliniert die meisten Anleger nicht von allein.


Die zwei gängigen Methoden

1. Kalender-Rebalancing

Du prüfst dein Depot zu festen Terminen, zum Beispiel einmal jährlich im Januar. Weicht die Aufteilung von der Zielgrösse ab, korrigierst du. Einfach, planbar, emotionslos.

2. Schwellen-Rebalancing

Du korrigierst erst, wenn eine Anlageklasse mehr als eine bestimmte Bandbreite abweicht – üblich sind 5 Prozentpunkte. Also bei Ziel 60%: erst handeln, wenn Aktien über 65% oder unter 55% liegen. Reagiert gezielter, du musst aber öfter reinschauen.

Für die meisten Privatanleger reicht der einfachste Weg: einmal im Jahr ein fester Termin. Mehr Aufwand bringt selten mehr Rendite.


Der Schweizer Steuer- und Gebühren-Aspekt

In der Schweiz sind private Kapitalgewinne aus Wertschriften steuerfrei, solange du als Privatanleger giltst und nicht als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler. Beim Verkauf zum Rebalancing fällt also in der Regel keine Gewinnsteuer an – ein Vorteil gegenüber vielen anderen Ländern.

Was trotzdem Geld kostet, sind Transaktionsgebühren und der Spread bei jedem Kauf/Verkauf. Deshalb gilt: nicht zu oft handeln. Ein- bis zweimal pro Jahr reicht für fast alle.

Noch günstiger: Rebalancing über neue Einzahlungen. Statt zu verkaufen, kaufst du mit deiner monatlichen Sparrate gezielt mehr von der zurückgebliebenen Anlageklasse. So näherst du dich der Zielgrösse ganz ohne Verkauf und ohne zusätzliche Gebühren.

Praktisch: Eine App wie findependent rebalanciert dein ETF-Portfolio automatisch, du musst nichts selbst rechnen. Wer lieber selbst die Kontrolle behält und einzelne ETFs kauft, fährt mit einem günstigen Broker wie Saxo gut – tiefe Gebühren halten die Rebalancing-Kosten klein.


Schritt für Schritt

  1. Notiere deine Ziel-Aufteilung (z. B. 70% Welt-Aktien-ETF, 30% Anleihen-ETF).
  2. Lege einen festen Termin fest – einmal im Jahr genügt.
  3. Am Termin: aktuelle Werte ablesen, Ist-Aufteilung berechnen.
  4. Weicht es mehr als ~5 Prozentpunkte ab? Dann korrigieren – bevorzugt über die nächsten Sparraten, sonst per Umschichtung.
  5. Wieder zumachen und ein Jahr nichts tun.

Die häufigsten Fehler

Zu oft rebalancen. Jeden Monat das Depot feinjustieren bringt keine Mehrrendite, nur mehr Gebühren. Die Forschung zeigt: jährlich reicht.

Gar nicht rebalancen. Wer nie korrigiert, hat nach Jahren ein viel risikoreicheres Depot als geplant – und merkt es erst im Crash.

Aus dem Bauch heraus handeln. "Aktien laufen gerade so gut, ich lass das mal so" ist kein Rebalancing, das ist Market Timing. Der Sinn der festen Regel ist genau, die Emotion rauszunehmen.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und ist keine Anlageberatung im Sinne des FIDLEG. Entscheidungen zu deinem Portfolio triffst du in eigener Verantwortung – bei Bedarf zieh eine qualifizierte Fachperson bei. Einige Links sind Empfehlungslinks: Nutzt du sie, kann das für dich und mich einen Vorteil bringen (z. B. Gebührenrabatt). Das kostet dich nichts und beeinflusst die Inhalte nicht. Mehr unter Profitieren.