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Welt-ETF für Schweizer Anleger: MSCI World, FTSE All-World oder ACWI?

MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI – welcher Welt-ETF passt für Schweizer Anleger? Mit Vergleichstabelle, Steuer-Hinweisen und einer klaren Empfehlung.

· 9 Min. Lesezeit
Beitragsbild Welt-ETF für Schweizer Anleger: MSCI World, FTSE All-World oder ACWI?

Du willst endlich loslegen – breit diversifiziert, kostengünstig, langfristig. Du hast schon gehört, dass ein einziger Welt-ETF genügen kann. Aber dann schaust du dich um und stehst vor drei verschiedenen Indizes, einem Dutzend ETF-Namen und Kürzeln wie VWRL, IWDA, SSAC und SPYI. Alles klingt ähnlich, alles sieht ähnlich aus. Welchen nimmst du?

Diese Frage werde ich hier ein für alle Mal klären. Mit konkreten Zahlen, Swiss-spezifischen Überlegungen und einer klaren Empfehlung – ohne Geschwurbel.


Die drei grossen Indizes erklärt

Bevor wir die ETFs vergleichen, musst du den Unterschied zwischen den zugrundeliegenden Indizes verstehen. Ein ETF ist nur das Vehikel – entscheidend ist, welchen Markt er abbildet.

MSCI World – der bekannteste Name, aber etwas missverständlich. «World» klingt nach allem, enthält aber nur rund 1'500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien sind komplett aussen vor. Der US-Anteil beträgt rund 70%, Schweiz etwa 2.5–3%.

FTSE All-World – hier stimmt der Name besser. Dieser Index enthält rund 4'200 Unternehmen aus 49 Ländern, inklusive Schwellenländer. Der US-Anteil ist dadurch etwas tiefer, bei ca. 62–65%. Der bekannteste ETF auf diesen Index ist der Vanguard FTSE All-World (VWRL/VWCE). Eine Besonderheit: FTSE Russell stuft Südkorea als Industrieland ein – das ist beim MSCI anders, der es weiterhin als Schwellenland führt. Samsung und Hyundai sind beim FTSE All-World also in der Industrieländer-Kategorie.

MSCI ACWI – «All Country World Index» ist die MSCI-Variante des All-World-Konzepts: ca. 2'800 Unternehmen aus 47 Ländern, Industrie- und Schwellenländer kombiniert. Südkorea ist hier (anders als beim FTSE) noch im Schwellenländer-Anteil. Der Unterschied zum FTSE All-World ist minimal – weniger als 1 Prozentpunkt pro Jahr.

Es gibt noch einen vierten Kandidaten: den MSCI ACWI IMI. Das «IMI» steht für Investable Market Index – er enthält zusätzlich Small-Cap-Unternehmen und bildet damit rund 9'000 Firmen ab. Die breiteste Streuung, aber auch etwas teurer in der Verwaltung.


Die wichtigsten ETFs im Überblick

Konkrete Zahlen statt vage Vergleiche. Hier die ETFs, die für Schweizer Anleger 2026 relevant sind – alle an der SIX Swiss Exchange oder Euronext Amsterdam handelbar (und bei Saxo verfügbar):

ETF Index Unternehmen TER Domizil Ausschüttung
Vanguard FTSE All-World (VWRL) FTSE All-World ~4'200 0.22% Irland Ausschüttend (quartalsweise)
Vanguard FTSE All-World Acc (VWCE) FTSE All-World ~4'200 0.22% Irland Thesaurierend
iShares Core MSCI World (IWDA) MSCI World ~1'500 0.20% Irland Thesaurierend
iShares MSCI ACWI (SSAC) MSCI ACWI ~2'800 0.20% Irland Thesaurierend
SPDR MSCI ACWI IMI (SPYI) MSCI ACWI IMI ~9'000 0.17% Irland Thesaurierend
Xtrackers MSCI World Swap (XDWD) MSCI World ~1'500 0.15% Luxemburg Thesaurierend (synthetisch)

Was fällt auf? Die TER-Unterschiede sind klein – zwischen 0.15% und 0.22% liegt pro CHF 10'000 investiertes Kapital eine jährliche Differenz von gerade mal CHF 7. Über 10 Jahre mit Zinseszins macht das vielleicht CHF 150 aus. Kein Grund, einen ETF allein wegen 0.05% TER-Unterschied zu wählen.


Die eigentliche Frage: Schwellenländer ja oder nein?

Das ist der grösste inhaltliche Unterschied zwischen den ETFs. MSCI World = nur Industrieländer. FTSE All-World / MSCI ACWI = Industrie- + Schwellenländer. Was steckt da drin?

Schwellenländer-Anteil beim FTSE All-World liegt bei etwa 10–12%. Die grössten Positionen sind Unternehmen aus China, Indien, Taiwan und Südkorea (beim MSCI). Das sind Märkte mit höherem Wachstumspotenzial – aber auch höherer Volatilität, weniger Investorenschutz und politischen Risiken (Stichwort: chinesische Regulierungswellen 2021–2022).

Die historische Performance-Differenz zwischen MSCI World und FTSE All-World war über 10 Jahre minimal. Es gab Phasen, wo Schwellenländer führten (2000–2010), und Phasen, wo sie bremsten (2010–2020). Wer sie nicht haben will, wählt den MSCI World. Wer die breiteste Streuung will, nimmt den FTSE All-World oder MSCI ACWI.

Es gibt kein «Richtig» oder «Falsch» hier. Beides ist vernünftig. Entscheidend ist, dass du bei deiner Wahl bleibst – das übertrifft jeden Indexentscheid bei weitem.


Was Schweizer Anleger noch beachten müssen

Über die Kosten und Indexwahl hinaus gibt es drei Punkte, die für uns in der Schweiz besonders relevant sind:

1. Stempelsteuer: Jeder Kauf und Verkauf eines ETFs kostet in der Schweiz eine Stempelsteuer. Bei ausländisch domizilierten ETFs (also praktisch alle hier aufgeführten – Irland oder Luxemburg) beträgt sie 0.15% – auf den Kaufbetrag, und nochmals 0.15% beim Verkauf. Bei CHF 1'000 Einmalkauf also CHF 1.50 beim Kauf, CHF 1.50 beim Verkauf. Kein Drama, aber zu kennen ist es trotzdem. Die Stempelsteuer zieht der Broker automatisch ab – du siehst sie in der Abrechnung als «Umsatzabgabe».

2. ETF-Domizil und Quellensteuer: Alle Welt-ETFs oben sind in Irland (oder Luxemburg beim XDWD) domiziliert. Das ist kein Zufall: Irland hat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, das die Quellensteuer auf US-Dividenden von 30% auf 15% reduziert. Schweizer ETFs kämen auf 35% Quellensteuer – ein klarer Nachteil. Irisch domizilierte ETFs sind deshalb steueroptimierter für Dividenden aus US-Aktien.

3. Ausschüttend vs. thesaurierend: Bei thesaurierenden ETFs (Acc) werden Dividenden automatisch reinvestiert. Das ist bequemer und du vermeidest die Entscheidung, was du mit der Ausschüttung machst. Für die Steuer macht es in der Schweiz keinen Unterschied: Beide sind deklarationspflichtig. Ich habe das im Beitrag «Thesaurierend oder ausschüttend?» ausführlich erklärt.


Meine Empfehlung für Schweizer Einsteiger

Wenn ich heute von vorne anfangen würde: Ich würde den Vanguard FTSE All-World Acc (VWCE) nehmen. Hier ist warum:

  • Breiteste Streuung unter den klassischen Voll-Replikations-ETFs (~4'200 Unternehmen)
  • Irland-Domizil – optimal für US-Dividenden-Quellensteuer
  • Thesaurierend – weniger Aufwand, automatisches Reinvestieren
  • Vanguard-Anbieter – einer der grössten ETF-Anbieter der Welt, kein Emittentenrisiko
  • Auf der Saxo AutoInvest-Liste – damit kannst du ihn ohne Handelsgebühren per Dauerauftrag besparen

Wer Schwellenländer bewusst ausschliessen will, nimmt den iShares Core MSCI World (IWDA) – ebenfalls irisch, thesaurierend, 0.20% TER. Technisch minimal günstiger, aber du lässt 10% der Weltwirtschaft aussen vor.

Den SPDR MSCI ACWI IMI (SPYI) würde ich erst bei einem grösseren Depot in Betracht ziehen – die Small-Cap-Beimischung macht Sinn, aber 9'000 Positionen machen die Tracking-Genauigkeit komplexer.

Was ich nicht empfehlen würde: stundenlang über 0.02% TER-Unterschied grübeln, drei Monate auf «den richtigen Einstiegszeitpunkt» warten oder ein kompliziertes Multi-ETF-Portfolio bauen, das du danach nicht mehr pflegst. Ein einziger ETF, konsistent bespart – das schlägt fast jeden komplizierteren Ansatz.


Fazit: Entscheid treffen, loslegen, dranbleiben

MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI – alle drei sind vernünftige Wahlen. Der grösste Unterschied ist die Frage Schwellenländer ja/nein, und selbst dieser Unterschied macht langfristig weniger aus als deine Sparrate oder dein Verhalten in Krisen.

Dein nächster Schritt: Depotgrösse und Sparrate entscheiden, einen ETF auswählen – und dann jeden Monat kaufen. Kein Market Timing, kein Warten. Wer anfängt, liegt vor wem, der noch recherchiert.

Kein Depot noch? Beim Saxo-Konto kannst du den VWCE direkt in den AutoInvest aufnehmen – kein Auftrag, kein Klicken, läuft automatisch.


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